Hauptmenü
Rund um den Hund > Gesundheit
Kritisch impfen mit Verstand
Zur Grundimmunisierung mit dem "Puppyimpfstoff" aber der 5. Woche, mit 8, 12 und 16 Wochen die volle Dosis SHPPiLT (Staupe/Hepatitis/Parvovirose/Parainfluenza/Leptospirose/Tollwut), anschließend jährliche Auffrischung, Impfung gegen Borreliose und den Coronavirus, Herpes für Zuchthündinnen und alle mit im Haushalt lebende Hunde usw.
Lange Zeit und auch heute oft noch gängige Praxis, doch völlig konträr zum Stand der Wissenschaft.
Mittlerweile (seit Juli 2007) sind auch in Österreich Tollwut- und SHP-Impfstoffe zugelassen, die 3 Jahre Impfschutz garantieren. Ausflüchte gelten nun nicht mehr, es gibt für Halter keinen einzigen Grund, jährlich zu impfen.
Näheres dazu und viel Wissenswertes zum Thema Impfung findet sich auf www.haustierimpfung.de
Ich habe für mich folgendes Schema entwickelt:
1x Tollwut (nach dem Zahnwechsel!) für 3 Jahre, da die Tollwutimpfung für die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen, Sportveranstaltungen und bei Auslandsreisen vorgeschrieben ist.
SHP wird bei meinen eigenen Hunden grundimmunisiert frühestens nach der 12. Woche (1x impfen, Titerbestimmung durch Laboklin und ggf. eine 2. Impfung), danach ebenfalls alle 3 Jahre aus den selben Gründen wie oben, bis sie ca. 9 Jahre alt sind und nicht mehr "in der Öffentlichkeit" stehen.
Impfungen gegen Parainfluenza (Zwingerhusten) und Leptospirose sind sehr umstritten, da es sich um schlecht verträgliche Impfstoffe handelt, die noch dazu nicht die gewünschte Wirkung zeigen.
So ist die Schutzimpfung gegen Leptospirose alle 6 Monate aufzufrischen, geimpft wird gegen die zwei am häufigsten auftretenden Erreger, in unseren Breiten gibt es jedoch weit mehr! Es ist also nicht gesagt, dass der Hund bei halbjährlicher Impfung nicht trotzdem an Leptospirose erkranken kann.
Ebenso ist die Impfung gegen Zwingerhusten oft nicht wirksam, da sich auch der saisonal in Erscheinung tretende "Hundegrippenvirus" von Jahr zu Jahr ändert. Wie beim Menschen müsste man jedes Jahr vor dem Auftreten der ersten Erkrankungsfälle einen aktuellen Impfstoff verwenden. Zudem ist die Erkrankung, vergleichbar mit der Virusgrippe beim Menschen, für normal gesunde Hunde keine Gefahr. Es kommt zu heftigem Husten mit Auswurf, Schnupfen, manchmal in Begleitung von Fieber, in der Regel ist alles nach spätestens 2 Wochen überstanden.
Ob man sich selbst und seine Hunde gegen die Influenza impft, muss man im Einzelfall entscheiden.
Ähnlich ist es bei der Borrelioseimpfung. Menschen und Tiere sind überwiegend gegen Borreliose resistent und für den Fall einer Erkrankung ist die Antibiotika-Therapie in den meisten Fällen erfolgreich. Zusätzlich werden 80 bis 90% aller Infektionen in Europa beim Menschen durch Borrelia afzelii und Borrelia garinii verursacht, der häufig verwendete Hunde-Impfstoff ist aber gerade gegen die bei uns seltene Borrelia burgdorferi s.s. gerichtet und damit in diesen 80-90% nutzlos.
Vor der Impfung muss nachgewiesen werden, dass der Hund nicht schon einen Antikörpertiter hat, sonst kann die Impfung die Erkrankung auslösen, die sonst nicht ausgebrochen wäre. Aber: Die meisten serologischen Tests auf Borreliose (Tests auf Antikörper im Blut) sind schlecht und bringen einen hohen Anteil sowohl falsch positiver wie auch falsch negativer Ergebnisse. Selbst die PCR bringt nicht immer richtige Ergebnisse. Zudem ist der Impfstoff, so wie bei Leptospirose und Zwingerhusten, sehr schlecht verträglich.
Vor diesem Hintergrund ist also dringend von dieser Impfung abzuraten!
Der tatsächliche Schutz durch eine Impfung mit viralen Lebendimpfstoffen (SHP und T) beträgt bis zu 15 Jahre bzw. liegt beim Hund ein lebenslanger Schutz vor, so wie auch bei Menschen! Niemand käme auf die Idee, Menschen jährlich nachzuimpfen. Auch die Hersteller der Impfstoffe geben eine weit längere Schutzdauer an, garantiert wird sie für 3 Jahre, wie z.B. bei Intervet zu lesen.
In einer meiner Vorlesungen "Einführung in die Immunologie" wurde empfohlen, nicht vor dem 3. Lebensmonat (12. Woche) zu impfen, weder Mensch noch Hund, Katz oder anderes Säugetier. So lautet auch die Angabe des Virologischen Instituts der Vetmed Wien ( Impfkomplikationen) und vieler anderer Experten.
Warum nach der 12. Woche?
Weil maternale Antikörper, welche über Plazenta und Muttermilch in den Körper der Welpen gelangten, Impfstoffe neutralisieren, und zwar stärker die Lebendimpfstoffe (zur Erinnerung, SHP und T) als Totimpfstoffe (Pi und L). Logisch. Bis dieser passive Immunschutz aufgehoben wird, dauert es 3 bis 4 Monate, manchmal sogar länger. Impfungen sind also oftmals völlig wirkungslos in dieser Zeit und für Jungtiere im Wachstum schädlich, belasten sie doch den ohnehin schon auf Hochtouren laufenden Stoffwechsel und das Immunsystem, das sich mit zahlreichen anderen Erregern und unglaublich vielen neuen Substanzen in der Umwelt auseinandersetzen muss.
Bei Welpen, deren Mutter keine Antikörper gegen die üblichen Verdächtigen hat, gilt das natürlich nicht - z.B. für Welpen und Junghunde aus dem Tierschutz oder von dubiosen Vermehrern.
Zu frühe Impfungen sind sogar gefährlich, denn die maternale Immunität wird dadurch drastisch reduziert und es kann zu diversen Nebenwirkungen und Entwicklungsstörungen kommen.
Die maternalen Antikörper lassen sich mit Hilfe von Titerbestimmungen ermitteln, durch Impfung oder natürlichen Kontakt mit Erregern erworbener Immunschutz allerdings oft nicht, denn der Körper bildet eine Art Gedächtnis für die einzelnen Erreger und bildet Abwehrzellen nicht permanent.
Vor der Abgabe werden Welpen aus meiner Zucht vorschriftsgemäß einmalig gegen SHP geimpft (je nach Abgabealter muss dies eventuell schon vor der 12. Woche erfolgen), das weitere Vorgehen muss der neue Halter für sich selbst festlegen. Aufgrund der bereits erwähnten Titerbestimmung durch Laboklin im Alter von 6 Wochen gibt es jedoch eine Empfehlung für den besten Impfzeitpunkt. So kann man sichergehen, dass der Welpe unter minimaler Belastung des Immunsystems effektiv gegen Staupe, Hepatitis und Parvovirose geschützt ist. Dieser ideale Impfzeitpunkt liegt erfahrungsgemäß bei etwa 15 Wochen und bringt im Normalfall selbst durch einmalige Impfung vollen (lebenslänglichen) Schutz.
Weitere Links: http://www.newvaccinationprotocols.com/
http://www.grsk.org/borrel.pdf
Das Buch zum Thema. Besonders zu beachten sind die sehr umfangreichen Literaturtipps und Quellen im Anhang.
Hunde würden länger leben, wenn...
Tierärztin Dr. Jutta Ziegler aus Hallein bei Salzburg berichtet aus der Praxis.